In dieser Saison sprengt die Camerata Variabile alle Grenzen der Kommunikation und widmet sich der allgegenwärtigen babylonischen Verwirrung, die aus der Verwendung verschiedener Sprachen – und damit verschiedener Arten zu denken – entsteht. Das Programm wagt sich, Ovids Beschreibung von Orpheus’ Kunst folgend, sogar auf das Gebiet der Interspezies-Kommunikation und wendet sich Steinen, Pflanzen, Tieren und Geistern zu.
Saxa ferasque lyra movit Mit seiner Leier bewegte Orpheus,
Rhodopeius Orpheus, die Steine des Rhodopegebirges
Tartareosque lacus die wilden Tiere, die Seen des Tartaros
tergeminumque canem und den dreigestaltigen Hund (Kerberos)
Was gibt den Vibrationen seiner Leier diese Macht? Vibrationen und Schwingungen sind der Musik ureigenstes Spezialgebiet, doch Schwingungen gibt es vielerlei und nicht alle verfügen über solch bezwingende Magie.
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Das erste Programm VERS L’OUVERT entführt das Publikum ins Elsass. Der Dichter Jean-Christophe Meyer liest seine auf alemannisch und französisch geschriebenen Gedichte und führt damit durch dieses Übergangsgebiet zweier sehr unterschiedlichen Sprach- und Kulturräume. Mit seiner Hilfe suchen wir nach den subtilen Zwischentönen, die beim Übersetzen verloren gehen können oder gerade deswegen neu entstehen. Im Titel des zweiten Programms, BETWIXT AND BETWEEN, finden wir eine Anspielung auf den Untertitel des Films «Lost in Translation» von Sofia Coppola: Zwischen den Welten. Mit Hilfe von Texten Franz Hohlers schauen wir vor. Mit seiner Leier bewegte Orpheus die Steine des Rhodopegebirges, die wilden Tiere, die Seen des Tartaros und den dreigestaltigen Hund (Kerberos) sichtig in die Welt der Geister und erfüllen damit eine alte Aufgabe der Musik im zeremoniellen Kontext: Eine Verbindung zu geistigen Räumen und zu den Ahnen zu schaffen. Fast alle Komponist:innen dieses Abends haben eine spezielle Affinität zu diesem Thema und zeigen uns verschiedene musikalische Wege in diese Welt auf. Im dritten Programm PFLANZENPALAVER führen uns Texte der Biologin, Chemikerin und Malerin Florianne Koechlin durch die Welt der Pflanzenkommunikation. Viele der musikalischen Werke des Abends nehmen einen ganz direkten Bezug auf Bäume oder Blumen. Zwei davon sind unserem Gast, der ungarischen Sängerin Katalin Károlyi gewidmet: Thomas Ades und Helena Winkelman vertonten Pflanzengedichte aus Ungarn und Frankreich/England. Die Uraufführung stammt aus der Feder von Carola Bauckholt. Das vierte Programm führt uns in die Mineralienwelt und bringt SINGENDE STEINE. Die Gruppe Stone Alphabet gestaltet gemeinsam mit der Camerata Variabile einen Abend, der Litophone, Schweizer Volksmusik und neue Kompositionen von Mathias Steinauer, Roland Moser und Fabian Müller zusammenbringt. Das letzte Programm FENSTER ZUM INNEN ist ganz dem Dialog gewidmet, den wir mit uns selbst führen. Eröffnet von Arvo Pärts FRATRES (Klosterbrüder) und beendet von Janáčeks Concertino mit seinen E ulen, Igeln und Eic hhörnchen, bewegen sich alle Werke dieses Abends auf einer Verbindungslinie zwischen unserer physischen Natur, die wir mit dem Tier gemeinsam haben, und unserer menschlichen Anlage zur geistigen Transzendenz. Besonders freuen wir uns auf die Uraufführung von Matthias Arter, in der der Weg nach innen in sieben Schritten stattfindet.
Mit dem Abonnement der Camerata Variabile besuchen Sie alle 5 Konzerte der Saison entweder in Basel/Binningen, Zürich, Bern/Fribourg oder Schaffhausen/Diessenhofen/ Neuhausen. Wenn Ihnen ein Konzertprogramm besonders gut gefällt, dürfen Sie uns mit dem Abo auch gerne ein zweites Mal in einer anderen Stadt besuchen kommen. Bei Fragen zu unseren Abos schreiben Sie uns gerne auf info@camerata-variabile.ch