Nachtschwärmer

Nachtschwärmer

Di 23. April 2024 | 19:30

Don Bosco Basel

Mi 24. April 2024 | 19:30

Konservatorium Zürich

Sa 27. April 2024 | 19:30

Rathauslaube Schaffhausen

So 28. April 2024 | 17:00

Marianischer Saal Luzern

Programm

Arnold Schönberg
Notturno
für Harfe und Streicher

Gérard Zinsstag
Clair-Obscur. Uraufführung
für Streichseptett, Bassklarinette und Harfe

Luigi Boccherini
La musica Notturna delle Strade di Madrid op. 30, 6
für Streichquintett

1. Introduzione
2. Menuetto dei Chiechi (Allegro)
3. Rosario
4. Passacalle (Allegro vivo)
5. Ritirata (Maestoso)

Gérard Pesson
Nebenstück
für Klarinette und Streichquartett

Arnold Schönberg
Verklärte Nacht
für Streichsextett op. 4
über ein Gedicht von Dehmel

Musiker:innen

Karin Dornbusch, Klarinette
Helena Winkelman, Violine
Brandon Garbot, Violine
Mirka Scepanovic Violine/Viola
Alessandro D’Amico, Viola
Christoph Dangel, Violoncello
Stéphanie Meyer, Violoncello
Stefan Preyer, Kontrabass
Consuelo Giulianelli, Harfe

In unserem Aprilprogramm hören wir verschiedene Nachtmusiken – darunter zwei frühe Werke von Schönberg. Seit vielen Jahren hat die Camerata Variabile Schönbergs «Verklärte Nacht» nicht mehr gespielt und wie können wir ein Programm über die Nacht machen ohne dieses Werk? Normalerweise stellt man diesem gerne Werke von Schönbergs späteren Schaffensperioden gegenüber, um die stilistische Entwicklung zu zeigen, die dieser in seinem Leben durchlaufen hat. Dieses Mal spielen wir stattdessen ein Stück, das drei Jahre davor entstanden ist – sein Notturno. Dieses zeigt uns, dass die Verklärte Nacht selbst schon der Kulminationspunkt einer Entwicklung ist.

Die Harfe, die dem Notturno seine nächtliche Farbe verleiht, treffen wir auch in der Uraufführung von Gérard Zinsstag wieder, dessen neue Komposition Clair – Obscur uns noch einmal einen ganz andern Aspekt von Licht und Dunkel zeigt. Die Klarinette, um die er uns für dessen Umsetzung bat, ist nochmals zu hören im Nebenstück von Gérard Pesson. Darin filtert der Komponist eine Brahms – Ballade bis sie fast unhörbar ist.

In der ersten Programmhälfte entführt uns der Italiener Boccherini mit seinem Quintett nach Spanien. La musica Notturna delle Strade di Madrid ist ein relativ wenig bekanntes, aber umso attraktiveres Fundstück der Streicherkammermusik: Das 1780 entstandene Werk besteht aus sieben Sätzen, die die nächtliche Klangkulisse seiner Wahlheimat Madrid evozieren. Boccherini gab darin seiner Neigung zur naturalistischen Klangmalerei so weit nach, dass er selbst glaubte, niemand könne das Stück verstehen, der Madrid nicht selbst kennt.

Gott sei Dank liess er sich trotz dieser Bedenken zur Veröffentlichung des Werkes überreden, das zu seinen fantasievollsten Partituren zählt. Im ersten Satz kann man das “Ave Maria delle Parrochie” hören, das nächtliche Gebet der Madrider Pfarreien, im zweiten tanzen die “Ciechi”, die Blinden Menuett zur Pizzicato-gitarre der Streicher. Auf ein in der Stille des Gebetes verharrendes Largo mit dem Titel “Rosario” (Rosenkranz) folgt dann als zentraler Satz eine Passacallia. In ihr wird sozusagen die Etymologie des Wortes lebendig, das sich vom spanischen “Passar una calle”, eine Strasse entlang gehen, herleitet. “Passacallia” bezeichnete ursprünglich die Musik, mit der man in Spanien Strassenprozessionen begleitete. Bei Boccherini sind es “Los Manolos”, die Strassensänger, die die “calle” passieren und dabei ihre arabisch eingefärbten Weisen singen. Die Bilderfolge schliesst mit der berühmten “Ritirata”, dem Zapfenstreich der Nachtwache.