Abenteurer

Abenteurer

György Ligeti zum 100. Geburtstag

Mi 6. Dezember 2023 | 19:30

Konservatorium Zürich

Do 7. Dezember 2023 | 19:30

Marianischer Saal Luzern

Sa 9. Dezember 2023 | 19:30

Rathauslaube Schaffhausen

So 10. Dezember 2023 | 11:00

Gare du Nord Basel

Programm

Johann Nepomuk Hummel
Septett in d-Moll op. 114: The Military
für Klavier, Flöte, Klarinette, Trompete,
Violine, Cello, Kontrabass 

György Ligeti
Aventures 
für Sopran, Alt und Bariton, Flöte, Horn,
Cello, Kontrabass, Perkussion, Klavier
und Cembalo

György Ligeti
Hungarian Rock
für Cembalo Solo    

György Ligeti
Nouvelles Aventures 
für Sopran, Alt und Bariton, Flöte, Horn,
Cello, Kontrabass, Perkussion, Klavier
und Cembalo

Othmar Schoeck
Gaselen op. 38
über zehn Gedichte von Gottfried Keller
für Bariton, Flöte, Oboe, Bassklarinette,
Trompete, Schlagzeug

György Kurtág
LIGETI’S CENTURY – ROAMING IN THE PAST, op. 48
Arrangement für die Camerata variabile
von Helena Winkelman

Musiker:innen

Isabelle Schnöller, Flöte
Matthias Arter, Oboe 
Karin Dornbusch, Klarinette
Valentin Eschmann, Horn
Moritz Görg, Trompete
Helena Winkelman, Violine 
Christoph Dangel, Violoncello 
Stefan Preyer, Kontrabass
Pascal Viglino, Perkussion
Stefka Perifanova, Klavier 

Gäste

Lisa Fornhammar, Sopran
Christina Daletska, Mezzosopran
Hubert Wild, Bariton  
Jürg Henneberger, Cembalo und Dirigent

Das zweite Programm verdankt seinen Titel den berühmten «Aventures» György Ligetis, der in diesem Jahr seinen 100. Geburtstag feiern würde.

In späteren Artikeln über die Aventures und die Nouvelles Aventures spricht der Komponist von einer «selbst geschaffenen Kunstsprache». Jedoch hat er nicht etwa Wörter und Grammatik entworfen und dann einen Text «gedichtet», sondern zugleich mit der Musik die Laute erdacht. insbesondere wurde kein existierender Text in einem zweiten Schritt vertont, wie es ansonsten in der Vokalmusik üblich ist.

Ligeti nimmt für seine «Kunstsprache» in Anspruch, dass sich «alle durch gesellschaftliche Umgangsformen ritualisierten menschlichen Affekte wie Einverständnis und Zerwürfnis, Herrschen und Unterwerfung, Aufrichtigkeit und Lüge, Überheblichkeit und Ungehorsam exakt ausdrücken lassen. Die Laute und Lautkombinationen hat er daraufhin ausgesucht, ob sie bestimmte Emotionen transportieren können. Mit diesen Affekten konstruiert Ligeti Miniaturdramen und lässt «imaginäre Personen auf einer imaginären Bühne» agieren. Ob den Stücken eine durchgehende Handlung, wie skurril auch immer, zugrunde liegt?

Mit Johann Nepomuk Hummel haben wir einen zweiten Ungarn im Programm. Er war ein pianistisches Wunderkind, das zeitweilig bei den Mozarts wohnte und von Wolfgang Amadeus unterrichtet wurde. Hummel gilt als Wegbereiter der romantischen Kammermusik. Schumann und Chopin rühmten seine Kompositionen. Seine Musik war unter den Zeitgenossen sehr beliebt, und noch heute gehören seine beiden Septette zu den wichtigsten Kammermusikwerken des 19. Jahrhunderts. Über das zweite «The Military» schreibt der Kritiker Fink am Ende einer Seite grossen Lobes: „Übrigens verlangt das Werk gewiefte Spieler – ablärmen kann man diese Musik nicht.“ Trotzdem: wen verwunderts, dass die Trompete in dem Stück allen den Marsch bläst? Es ist Kammermusik der abenteuerlichen Art, und so eröffnen wir damit unseren Konzertabend.

Die Gaselen von Othmar Schoeck stammen aus dem Jahr 1923. Es sind Vertonungen von Gedichten von Gottfried Keller. Sie sind Schoecks Förderer Werner Reinhardt gewidmet.

Es ist ein Zyklus, der mit einem kleinen, militärisch anmutenden Unisono zwischen Trompete und Sänger beginnt, danach aber geprägt ist von einer grossen, suchenden Melancholie.

LIGETI’S CENTURY – ROAMING IN THE PAST, op. 48 von György Kurtag, ist in dieser hier zu hörenden Instrumentierung eine Uraufführung. Das Stück wurde in seiner originalen Besetzung Ende Mai 2023 in Budapest zum 100. Geburtstag von György Ligeti unter der Leitung von Andras Keller uraufgeführt. Mit der Erlaubnis des Komponisten dürfen wir eine für die Grösse unseres Ensembles von Helena Winkelman adaptierte Version spielen. Wir freuen uns sehr über diesen Gruss aus Ungarn.